Liebe Besucher und Besucherinnen!
Immer wieder kommt die Frage auf, warum Messen und Märkte Eintrittsgeld kosten.
Immer wieder hören privatwirtschaftlich arbeitende Veranstalter, wir und andere Aussteller und Händler an den Einlasskassen Sätze wie:
"Warum kostet das Eintritt?"
"Was? Erst soll ich hier Eintritt bezahlen, damit ich dann etwas kaufen darf."
Wir, als Anja Stötzer Glaskünstlerin, nehmen über das Jahr an den verschiedensten Veranstaltungen teil.
Bei den Veranstaltern handelt es sich um privatwirtschaftlich organisierte, als auch öffentliche Veranstalter, wie Städte, Gemeinden und Kommunen. Ein Spezialfall sind dann noch gemeinnützige Vereine.
Und wir möchten Ihnen, liebe Besucher und Besucherinnen, einmal erklären (und wir sprechen damit wohl den privatwirtschaftlich arbeitenden Veranstaltern aus dem Herzen und der Seele),
warum das alles so ist, wie es ist. Denn Sie als Besucher können nur das Eintrittsgeld sehen.
Was aber an solch einer Veranstaltung für ein "Rattenschwanz" dran hängt, können Sie gar nicht wissen, es sei denn, sie kommen aus der Veranstalter-Branche.
Der Einfacheit halber fangen wir einmal mit öffentlichen Veranstaltern an:
Öffentliche Veranstalter sind Städte, Gemeinden, Kommunen und deren Ämter. Diese veranstalten
Stadtfeste, Weihnachtsmärkte usw. und finanzieren diese mit Steuergeldern. Im Jahr finden in Deutschland (grobe Schätzung, weil nicht alles erfasst wird):
- ca. 3000 Weihnachtsmärkte
- ca. 10000 Stadt- und Volksfeste
- ca. 7500 sonstige kommunale Events
statt.
- Veranstaltungs-Locations, wie Marktplätze, Sportplätze, Stadthallen stehen im Prinzip "kostenlos"
zur Verfügung und müssen über das Jahr sowieso unterhalten und finanziert werden. Dies
geschieht mit Steuergeldern.
- Parkplätze sind meist Eigentum der Städte und Kommunen. Die Nutzung als Besucherparkplätze
ist praktisch "kostenlos", weil auch diese über das Jahr unterhalten und finanziert werden
müssen. Dies geschieht mit Steuergeldern.
- Straßensperrungen oder Einrichtung temporärer Tempo-30-Zonen für eine öffentliche
Veranstaltung wird intern auf den Verwaltungsämtern und mit der zuständigen Verkehrsbehörde
geklärt und kostet quasi nichts. Die Mitarbeiter des Bauhofs stellen dann Absperrungen, Schilder,
Baken, Bauzäune (die in den meisten Fällen aus dem eigenen Bestand kommen) auf. Der Bauhof
und deren Mitarbeiter müssen über das Jahr sowieso unterhalten und finanziert werden. Dies
geschieht mit Steuergeldern.
- Aufbau von Hütten, oft stadteigene, werden in den meisten Fällen vom eigenen Bauhof
angeliefert und aufgebaut. Dies geschieht mit Steuergeldern.
- Elektro-Verkabelung, Wasser, Abwasser werden oft vom eigenen Bauhof installiert.
Ist ein externer Dienstleister beauftragt, so erfolgt die Rechnungsbegleichung mit
Steuergeldern.
- Marktfestsetzung, Veranstalter-Haftpflicht, Plakatwerbung erfolgt mit Steuergeldern
(verantwortlich in den meisten Fällen sind die Stadtverwaltungen / Kulturämter selbst).
- Sicherheitskonzepte, wie Terrorismusabwehr durch Betonblöcke, Security durch externe
Dienstleister werden durch Steuergelder finanziert.
- Endabnahmen durch Feuerwehren, Gesundheitsämter werden durch Steuergelder finanziert.
- Kultur - Bühnen, Veranstaltungs-Equipment, Personal für die Bedienung, durch externe
Dienstleister, werden durch Steuergelder finanziert.
- Rahmenprogramme - meist Vereine, Musikschulen etc. treten sehr oft kostenlos auf. Werden
Künstlergagen fällig, so werden diese aus Steuergeldern finanziert.
- Musikrechteverwertung (GEMA) wird aus Steuergeldern finanziert.
- Endreinigung übernimmt, die meist eigene, Stadtreinigung, die aus Steuergeldern finanziert
wird.
Auch eine öffentliche Veranstaltung ist aufwändig zu organisieren und zu finanzieren. Dies wird mit Steuergeldern aus dem Kulturhaushalt der Städte, Gemeinden und Kommunen bestritten.
Trotzdem haben öffentliche Veranstalter Einnahmen durch Standmieten von Händlern, Ausstellern, Caterern und teilweise durch Parkplatzgebühren.
Sie als Besucher zahlen unmittelbar keinen Eintritt. Mittelbar finanzieren Sie aber mit Ihrem Steuergeld alle Veranstaltungen.
Frage: Wie viele dieser ca. 20500 jährlich stattfindenden, aus öffentlichen Geldern
finanzierten Events können Sie (gleichzeitig) besuchen?
Vereine:
In Deutschland gibt es ca. 600.000 Vereine - ein großer Teil ist gemeinnützig, wie Sport-, Kultur-, Feuerwehr-, Heimat-, Musik-, Förder- und Karnevalsvereine. Diese Vereine machen im Jahr grob 675.000 Veranstaltungen.
Vereine finanzieren sich durch Beiträge der Vereinsmitglieder, Sponsoring und öffentlichen Fördergeldern (Steuergelder). Bei Veranstaltungen bekommen Vereine meist Boni durch Städte und Kommunen, sei es die Bereitstellung der Veranstaltungs-Location, Parkplätze, Plakatwerbung, Marktfestsetzung, Kultur, Anmietung von mobilen Toiletten, oft keine Veranstalterhaftpflicht, etc.
Sie als Besucher zahlen unmittelbar (meist) keinen Eintritt. Mittelbar finanzieren Sie aber mit ihrem Steuergeld alle Veranstaltungen.
Frage: Wie viele dieser ca. 675.000 Verein-Events pro Jahr können Sie (gleichzeitig) besuchen?
Privatwirtschaftlich organisierte und arbeitende Veranstalter:
Privatwirtschaftlich organisierte Veranstalter arbeiten wie Firmen / Dienstleister und müssen das
gesamte "Portfolio" an Genehmigungen und Auflagen der Ämter für ihre Veranstaltungen
beantragen, durchlaufen, erfüllen und selbst finanzieren.
- Veranstaltungs-Locations, wie Stadthallen, Kulturhäuser oder private Hallen müssen
angemietet werden. Hier belaufen sich die reinen Mietkosten pro Veranstaltung und Location
auf 3000,- bis 7000,- € (zahlt Veranstalter)
- Nebenkosten - Hausmeisterservice, Elektro, Wasser- & Abwasser, Heizung, Endreinigung
kommen als zusätzliche Kosten obendrauf, variieren aber von Vermieter zu Vermieter
(zahlt Veranstalter)
- Veranstaltungs-Locations im Freien, wie Burgen, Schlösser, Parks werden angemietet.
Hier belaufen sich die reinen Mietkosten pro Veranstaltung und Location schnell im hohen
4-stelligen bis zu mittleren 5-stelligen Bereich. Steht die Veranstaltungs-Location unter
Denkmalschutz, werden die Kosten und Auflagen nochmals massiv höher (zahlt Veranstalter)
- Die Nebenkosten sind wesentlich höher, als bei Indoor-Veranstaltungen (zahlt Veranstalter)
- Genehmigungen, wie Marktfestsetzung, Sicherheitskonzepte (zahlt Veranstalter)
- Temporäre Straßensperren, Parkverbote, Tempo-30-Zonen müssen bei der zuständigen
Verkehrsbehörde / Ordnungsamt beantragt und bezahlt werden. Das Aufstellen von Schildern,
Baken, Absperrungen und Bauzäunen übernimmt entweder ein zuständiger Bauhof oder ein
externer Dienstleister (zahlt Veranstalter)
- Veranstalter-Haftpflicht - Es gibt zwar in Deutschland keine Pflicht, diese Versicherung
abzuschließen, sie ist aber oft Bestandteil des kompletten Genehmigungsverfahrens.
Eine Veranstalter-Haftpflicht kostet im Schnitt, bei einer großen Location im Freien, über ein
Wochenend-Event und einer zu erwartenden Besucherzahl von 10000 Menschen, im Schnitt
1500,- bis 2000,- € (zahlt Veranstalter)
- Parkplätze sind für den Besucher meist kostenlos, nicht aber für den Veranstalter. Dieser muss
diese Flächen anmieten, um diesen kostenlosen Service anbieten zu können (zahlt Veranstalter)
- Plakatwerbung - Mittlerweile gibt es viele Städte, Gemeinden und Kommunen, in denen man
nicht mehr selbst plakatieren darf. Man ist also auf autorisierte, lokale Dienstleister angewiesen
oder darf nur die Cantilaver, die an Straßenlampenmasten angeschraubt sind, benutzen. Auch
diese Cantilaver gehören privaten Werbedienstleistern, die das nicht für "lau" anbieten.
Die Anzahl der Plakate muss bei den zuständigen Ordnungsämtern angemeldet werden.
Dafür werden kleine Genehmigungsaufkleber heraus gegeben, mit dem jedes Plakat sichtbar
in einer Ecke gekennzeichnet werden muss. In den frühen 2000ern kostete so ein Aufkleber
50 Pfennig oder 25 Euro-Cent. Mittlerweile gibt es Städte und Kommunen, wo ein Aufkleber 5,- €
kostet. Im Einzugsgebiet einer solchen Veranstaltung werden nicht selten 300-500 Plakate
aufgehangen. Jeder kann sich ausrechnen, was da an Kosten auflaufen (zahlt Veranstalter)
Fun-Fact: Parteien, die mit Plakaten zu Wahlen werben, haben zumeist ganz andere,
günstigere Tarife bei den entsprechenden Ämtern. Auch sieht man großzügig über das
Schwarzplakatieren hinweg.
- Radiowerbung, TV, Presse, Flyer-Druck kosten auch richtig Geld (zahlt Veranstalter)
- Markthütten und Pagoden müssen, wenn sie nicht im Privatbesitz des Veranstalters sind, von
Dienstleistern angemietet und aufgebaut werden (zahlt Veranstalter)
- Veranstaltungstechnik für Kulturbeiträge, wie Bühnen, Beschallungstechnik, Personal müssen
von externen Dienstleistern angemietet werden (zahlt Veranstalter)
- Musikrechteverwertung (GEMA) muss gezahlt werden, entweder nach Playlist oder nach zu
beschallender Fläche (zahlt Veranstalter)
- Kinderbespaßung, wie Hüpfburg, Pony-Reiten etc. müssen von externen Dienstleistern
angemietet werden (zahlt Veranstalter)
- Elektroverkabelung, Anschlüsse für Wasser und Abwasser müssen bereit gestellt werden, was
externe Dienstleister oder eigene Mitarbeiter / Angestellte ausführen. In jedem Fall zahlt der
Veranstalter
- Kulturbeiträge, wie Bands und Orchester (Künstlergagen) müssen bezahlt werden
(zahlt Veranstalter)
- Security (meist Auflage im gesamten Genehmigungsverfahren) muss beauftragt werden
(zahlt Veranstalter)
- Terrorismusabwehr, also das Aufstellen von massiven Barrieren, muss durch extern beauftragte
Dienstleister erbracht und ausgeführt werden (zahlt Veranstalter)
- Anmietung von Toiletten (zahlt Veranstalter)
- Endabnahme eines Events durch Feuerwehr, Ordnungs- und Gewerbeämter, Gesundheitsämter
(Hygiene) kommen meist gesondert oben drauf (zahlt Veranstalter)
- Weitere Kosten sind Löhne eigener Mitarbeiter und Kosten für Fahrzeuge, die zwingend nötig
sind, um so eine Veranstaltung durchzuführen (zahlt Veranstalter)
Nicht selten belaufen sich so die Gesamtkosten für solch eine Veranstaltung zwischen 30000,- und
100.000,- €. Das muss irgendwie refinanziert werden, denn kein Veranstalter macht so ein Event aus Jux und Dallerei oder weil er Lust hat sein Geld "zu verbrennen", sondern weil er
damit seinen Lebensunterhalt bestreitet und seine Firma finanziert.
10.000 Besucher x 10,- € Eintritt = 100.000,- € Eintrittsgelder. Das klingt erstmal viel, ist aber auch nur Brutto.
Was bleiben nun dem Veranstalter an Einnahmequellen?
- Standgebühr - Jeder Händler / Aussteller / Caterer muss an den Veranstalter eine Standgebühr
entrichten. Diese muss sehr maßvoll sein, sonst verlassen die Händler und Aussteller diesen
Veranstalter, denn die Händler, Aussteller und Caterer möchten auf solchen Events selber Geld
verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, Ware einkaufen zu können etc.
Die Einnahmen an Standgebühren sind, gemessen an den Kosten für eine Veranstaltung, eher
marginal - nicht zu vergessen... Standgebühren sind zunächst auch erstmal Brutto und
refinanzieren eine Veranstaltung ca. zu 10-15%.
- Sponsoring - Refinanzierung einer solchen Veranstaltung zu 5-10%.
- Eintrittsgelder - Nun liebe Besucher und Besucherinnen - Sie sorgen an der Einlasskasse dafür,
dass solche Events überhaupt möglich sind, denn Sie tragen den Löwenanteil. Ohne Sie gäbe es
keine Konzerte, Open Airs, Sportveranstaltungen á la Bundesliga und eben auch keine Messen
und Märkte.
Also bitte denken Sie das nächste Mal an einer Einlasskasse an diesen langen Text. Die Leute, die
an den Einlasskassen sitzen sind meist Angestellte des Veranstalters, die nichts dafür können, dass
der Eintritt das kostet, was er kostet.
Wir, als Anja Stötzer Glaskünstlerin, fahren seit nunmehr 20 Jahren (Stand 2026) mit auf Märkte
und Messen und kennen unsere Veranstalter mittlerweile sehr gut. Man plauscht öfters nach
einem Veranstaltungstag gemeinsam am Grill und spricht hin und wieder auch einmal über Besucherzahlen, Umsätze, Einnahmen und Ausgaben.
Ja, pro Veranstaltung (je nach Größe) bleiben auch einmal 2000,- bis 10000,- € für den Veranstalter
"hängen", aber bekanntlich gilt: "nach dem Event ist vor dem Event".
Somit fließt das Geld fast in seiner Gänze in die Vorbereitung und Organisation des nächsten Events.
Veranstalter gehören zum Klein- und Mittelstand. Hier gibt es keine Konglomerate oder Konzerne, keine Preisabsprachen, keine Yachten, Privatflugzeuge oder -hubschrauber, keine millionenschweren Oldtimersammlungen oder Konten auf den Caymans.
Hier grätschen früh genug die deutschen Finanzämter dazwischen, die wie Trüffelschweine jeden Geldschein und jede Münze riechen.
Liebe Besucher und Besucherinnen:
Wir danken Ihnen von ganzem Herzen, für Ihre Einkäufe auf diesen Events und etwas
können wir Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen... Reich wird man als Veranstalter nicht!
Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben, diesen langen Text zu lesen.